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Nr. 2 – 2020 Kennen Sie eigentlich ...?

Nr. 2 – 2020 Kennen Sie eigentlich ...?

Barbara Fontanellaz

Direktorin Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung - EHB

Barbara Fontanellaz

Direktorin Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung - EHB

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus?

Mein Arbeitsplatz ist da, wo ich den Menschen begegne, welche die Berufs­bildung vorwärts­bringen. Das kann in Zollikofen, Renens, Lugano, Olten oder Zürich sein, wo wir Lehr­personen aus- und weiterbilden. Das kann an einer Ausstellung über unsere Forschung an der Berufsmesse in Lausanne sein oder an einem Kurs für Prüfungsexpertinnen und -experten der Automobilberufe in Lenzburg, an einem Zukunfts-Workshop für die Versicherungsbranche in Bern oder an einer Konferenz über Berufsbildung in Beijing. Berufsbildung bewegt viele Menschen – zwei Drittel der Jugendlichen in der Schweiz machen eine Lehre. Und viele Menschen bewegen die Berufsbildung, allen voran in den Betrieben und Berufsfachschulen, in den Organisationen der Arbeitswelt und den Berufsbildungsämtern. Wo ich diesen Menschen begegne, ist mein Arbeitsplatz.

Seit wann und weshalb arbeiten Sie beim EHB? 

Meine Aufgabe am EHB habe ich diesen Frühling angetreten, als die Coronapandemie auch unser Land erreichte. Meine neuen Kolleginnen und Kollegen lernte ich gleich in dieser aussergewöhnlichen Situation kennen. Wir stellten bald auf Fernunterricht um und konnten Berufsfachschulen bei ihrer Umstellung unterstützen. Als Erziehungswissenschafterin habe ich mich früh für die Bedingungen der Entwicklung junger Erwachsener interessiert. Der hindernisfreie Zugang zu Bildung ist ein ganz wesentlicher Faktor für die selbstständige und selbstverantwortliche Lebensgestaltung, den sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft und die wirtschaftliche Stabilität eines Landes. Unsere Berufsbildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Immer wieder ist es ihr gelungen, sich auf neue gesellschaftliche Bedingungen einzulassen. Heute steht sie vor der Herausforderung, die digitale Transformation mitzugestalten. Mit einer schweizweit und international aktiven Bildungsinstitution im Herzen dieses vielschichtigen Netzwerks einen Beitrag zu leisten, das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Wie erklären Sie Ihren Kindern/Freunden/innen, was Sie tun?

Wir sind die Schule, das Labor und die Werkstatt für Berufsbildung. Dein Berufskundelehrer, deine Mathe-Lehrerin, dein Maschinen-Kursleiter, deine Prüfungsexpertin am Abschluss deiner Lehre als Schreinerin oder als Informatiker: Sie lernen bei uns in der «Schule», wie du am besten Lernen lernst, wenn du einen der 230 Berufe wählst. In unserem «Labor» untersuchen wir zum Beispiel, welche dieser Berufe eher von jungen Frauen oder von jungen Männern gewählt werden und warum. Wir untersuchen, wie in den Betrieben mit der Spannung umgegangen wird, Lernende gleichzeitig auszubilden und produktiv einzusetzen. In unserer «Werkstatt» schliesslich unterstützen wir die Entwicklung der Berufe, zum Beispiel der Pferdeberufe oder eben der Versicherungsbranche, um den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden.

Woran merken Sie, dass Sie älter werden?

Ob ich auch erbleiche, wenn man mir sagt, ich hätte mich gar nicht verändert, wie es bei Brecht steht? Ich hoffe, es erst zu merken, wenn keine Zeit mehr dafür bleibt, sollte Älterwerden gleichbedeutend sein wie das Schrumpfen meiner Handlungsfreiheit, meines Horizonts, meiner Träume. Meine beiden Söhne sind erwachsen. Ich fühle mich ihnen heute näher als früher. Wenn älter werden neugieriger werden bedeutet, differenzierter und zugleich entschlossener, rücksichtsvoller und mutiger, bewusster und widersprüchlicher, dann will ich es jeden Tag merken, dass ich heute eine andere bin als gestern.

Wie sorgen Sie persönlich für Ihre Zukunft vor?

Persönlich denke ich, dass wir Planbarkeit überschätzen. Wir wussten, dass die nächste Pandemie eine Frage der Zeit war. Dass sie sich so auswirken würde, konnte niemand voraussagen. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist Vorsorge die halbe Miete. Ich bin optimistisch, dass wir auch diese Pandemie überstehen werden. Aber ich mache mir Sorgen um unsere Wirtschaft und um unsere Jungen. Wir leben in sehr privilegierten Verhältnissen. Umso mehr fühle ich mich verpflichtet, einen persönlichen Beitrag an den Fortbestand, die sogenannte Nachhaltigkeit, und die Entwicklung unserer Gesellschaft zu leisten. Das schulden wir unseren Jungen. Ihnen gehört die Zukunft.

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