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Nr. 2 – 2017 Fokus

Nr. 2 – 2017 Fokus

Prisca Grossenbacher-Frei

Die neue Präsidentin von PUBLICA im Gespräch

Priska Grossenbacher-Frei

Präsidentin Kassenkommission

Frau Grossenbacher-Frei: Welche Vision haben Sie für PUBLICA?

PUBLICA ist mit einer Bilanzsumme von fast 38 Milliarden Franken und mit über 100’000 Versicherten und Rentenbeziehenden die grösste öffentlich-rechtliche Pensionskasse der Schweiz. Damit hat sie eine Vorbildfunktion für den ganzen Bereich der beruflichen Vorsorge. Das soll so bleiben und sich darin zeigen, dass es PUBLICA schafft – trotz allen wirtschaftlichen Unwägbarkeiten und unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung – die Renten nachhaltig zu sichern. Dies setzt voraus, dass die Kassenkommission ihre Verantwortung als oberstes Führungs- und Strategieorgan von PUBLICA wahrnimmt und dass weiterhin eine professionelle, schlanke und effiziente Geschäftsführung gewährleistet ist.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Präsidialzeit gesetzt?

Die zwei Jahre als Präsidentin sind schnell vorbei, auch vier Jahre, wenn man das anschliessende Vizepräsidium dazu nimmt. Das Erreichen grosser neuer Ziele braucht länger. Es wird also darum gehen, die bestehenden konsequent anzustreben und an der Weiterentwicklung der Strategie zu arbeiten. Kurzfristig stehen eine Senkung des technischen Zinssatzes und ein ausgewogener Übergang zu einem tieferen Umwandlungssatz im Vordergrund. Ein permanentes Anliegen wird es mir sein, dass die Kassenkommission die für das Gedeihen von PUBLICA notwendigen Entscheide zeitgerecht treffen kann. Dies setzt eine gute Vorbereitung der Entscheidungsgrundlagen und der Sitzungen voraus sowie eine konstruktive und lösungsorientierte Gesprächskultur, die mir besonders wichtig ist.

Was ändert sich für die Kassenkommis­sion mit der ersten Frau an der Spitze?

Meine Persönlichkeit kann und soll die Arbeit der Kassenkommission und das Verhältnis zur Geschäftsleitung und den Mitarbeitenden von PUBLICA beeinflussen. Dazu gehört natürlich, dass ich eine Frau bin. Das prägt mich ebenso wie meine Charakterzüge, meine Überzeugungen, meine Ausbildung und mein Erfahrungshintergrund. Ich war wiederholt die erste Frau in einer bestimmten Funktion, oft auch die einzige Frau in einem Gremium. Als meine Kinder noch klein waren, habe ich Teilzeit gearbeitet und dennoch Führungsfunktionen angestrebt und übernommen. Das war damals überhaupt nicht selbstverständlich; es brauchte Überzeugungsarbeit und Durchsetzungskraft. All dies mag sich auch bei der kollegialen Zusammenarbeit in der Kassenkommission bemerkbar machen.

Was ändert sich für die Versicherten mit einer Vertreterin der Arbeitnehmenden als Präsidentin?

Über weite Strecken sind in der Kassenkommission von PUBLICA die Anliegen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmenden gleich gerichtet. Beide Seiten wollen eine effiziente, kostengünstige Verwaltung von PUBLICA und eine optimale Performance bei straff kontrollierten Risiken. Es gibt aber auch unterschiedliche Interessen. Die Sicherung stabiler Renten etwa ist primär ein Anliegen der Arbeitnehmenden. Aktuell steht der Beitrag der Arbeitgeber zur Abfederung des tieferen Umwandlungssatzes im Vordergrund. Hier werde ich als Vertreterin der Arbeitnehmenden trotz der angezeigten Neutralität als Präsidentin eine besondere Sensibilität dafür mitbringen, dass ihre Interessen respektiert werden.

Wie zukunftstauglich ist die 2. Säule?

Sie muss ganz einfach zukunftstauglich sein. Sie ist ein tragendes Element des bewährten schweizerischen Drei-Säulen-Systems, das es auf jeden Fall zu erhalten gilt. Es ist Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Realitäten können und dürfen dabei nicht ausgeblendet werden. Nach dem Scherbenhaufen der Volksabstimmung vom 24. September 2017 ist die Politik nun erst recht gefordert.

Wo steht PUBLICA?

PUBLICA ist aktuell gut aufgestellt. Die Verwaltungskosten sind mit 181 CHF pro Person tief und der durchschnittliche Deckungsgrad liegt bei 102,9% (Stand Ende 2016). PUBLICA hat die beiden letzten Senkungen des Umwandlungssatzes von 2012 und 2015 weitestgehend aus eigenen Rückstellungen abfedern können. Dass dies bei der nächsten Senkung nicht mehr vollumfänglich möglich ist, ist unerfreulich, kann PUBLICA aber nicht angelastet werden. Die Zunahme der Lebenserwartung und das tiefe Zinsniveau sind Fakten, die wir nicht beeinflussen können. Sie zwingen uns zu einer weiteren Senkung der technischen Parameter, um insbesondere der Umverteilung von den Aktiven zu den Pensionierten entgegenzuwirken.

Was antworten Sie Ihren Kindern auf die Frage, wie sie für das Alter vorsorgen sollen?

Auf die erste und die zweite Säule vertrauen. Zusätzlich aber auch die dritte Säule nicht vergessen. Vor allem aber: Energie und Zeit in Aus- und Weiterbildung investieren und vielfältige berufliche Erfahrungen sammeln. Wer gut ausgebildet ist, hat bessere Chancen in der Arbeitswelt und oft auch mehr Lust an der Arbeit.

Welche gesellschaftlichen Entwicklungen machen Ihnen Sorgen?

Einerseits das oft feststellbare fehlende Verantwortungsbewusstsein. Viele erwarten bei Schwierigkeiten, dass jemand anderes ihre Probleme löst. Und andererseits die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft. Grundeinstellungen wie Solidarität und Verantwortung für das Gemeinwohl treten bei Vielen in den Hintergrund.

Was stimmt Sie zuversichtlich?

Dass es zum Glück auch Viele gibt, bei denen das überhaupt nicht zutrifft. Sie überlegen selbständig, wie sie für alle Lebenslagen «Vorsorge» treffen wollen, und wenn einmal etwas schief läuft, rappeln sie sich wieder auf und suchen aktiv einen Neubeginn.

Sie haben das Schlusswort…

Ich freue mich auf die beiden Jahre als Präsidentin und die anschliessenden zwei als Vizepräsidentin der Kassenkommission. Als langjähriges Mitglied der Kassenkommission, als Vorsitzende des Ausschusses Vorsorgepolitik und Recht und als Mitglied des Ausschusses zu den technischen Parametern konnte ich PUBLICA und ihre Belange vertieft kennen lernen. Das Präsidium ist für mich eine schöne und herausfordernde Fortsetzung dieses Engagements für eine solide Pensionskasse, eine faire Lastenverteilung zwischen Jung und Alt, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmenden und damit letztlich für nachhaltig sichere Renten. Ganz besonders freue ich mich auf die weitere Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Kassenkommission und die nun vermehrten Kontakte mit der Geschäftsleitung und den Mitarbeitenden von PUBLICA.

Kurzer Steckbrief

Prisca Grossenbacher-Frei ist Juristin und Vizedirektorin des Bundesamtes für Lebensmittel­sicherheit und Veterinärwesen.

Sie ist seit Juli 2009 Mitglied der Kassenkommission, wo sie die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vertritt. Während der ersten Hälfte der vierjährigen Amtsperiode (1. Juli 2017 – 30. Juni 2021) leitet sie das oberste Organ von PUBLICA als Präsidentin, in der zweiten Hälfte wird sie als Vizepräsidentin amten.

Prisca Grossenbacher-Frei ist verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

Pensionskasse des Bundes
PUBLICA

Eigerstrasse 57
3007 Bern
Schweiz

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