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Nr. 1 – 2022 Wenn ich einmal pensioniert bin ...

Nr. 1 – 2022 Wenn ich einmal pensioniert bin ...

Sylvie Durrer

Direktorin Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

Auch wenn ich noch mitten im Arbeitsalltag stehe, mit einem vollen Terminkalender, umgeben von motivierten Mitarbeitenden und aktiv in interessanten Projekten, so habe ich mir darüber natürlich trotzdem schon Gedanken gemacht: Was tue ich, wenn ich einmal pensioniert bin? 

Ich schätze mich glücklich, mir diese Frage überhaupt stellen zu können. Denn ich weiss, dass ich ungeachtet der Antwort einen gewissen Komfort geniessen werde: Ich habe immer Vollzeit gearbeitet und ab einem gewissen Alter überdurchschnittlich gut verdient. Meine Rente wird ausreichend sein, und das wird es mir erlauben, die Zeit nach der Pensionierung nach meinem Geschmack zu gestalten. 

Das ist nicht selbstverständlich, gerade als Frau. Denn bei einer Maximalrente von knapp 2400 Franken durch die AHV ist die Pensionskassenrente als zusätzlicher Pfeiler sehr wichtig. Und hier tut sich die Schere weit auf: 2020 erhielten Frauen 1167 Franken aus der beruflichen Vorsorge, Männer mit 2081 Franken fast doppelt so viel. Dieser Gender Pension Gap ist die Folge von unterschiedlichen Erwerbsbiografien. Unser Vorsorgesystem vergisst nichts. Jede Pensenreduktion, jedes Jahr ohne Erwerbsarbeit wirkt sich schonungslos auf das Portemonnaie nach der Pensionierung aus. Frauen unterbrechen ihre Berufstätigkeit häufiger als Männer, arbeiten öfter Teilzeit, und auch der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern sorgt für Ungleichheiten bei den Renten. Und die unbezahlte, mehrheitlich von Frauen geleistete Haus- und Familienarbeit ist bei der Altersvorsorge schlichtweg keine Hilfe. 

Obwohl die Bevölkerung immer älter wird und die Phase des Rentenalters damit tendenziell länger, stelle ich fest, dass sich viele Leute nicht genügend über diese Zusammenhänge informieren. Damit riskieren sie böse Überraschungen. Ich rate deshalb allen, sich regelmässig damit auseinanderzusetzen: Welche Folgen hat es für meine berufliche Vorsorge, wenn ich die nächsten vier Jahre aus dem Beruf aussteige? Oder wenn ich mein Pensum reduziere? Welche Einbussen bei meinem Lebensstandard bin ich allenfalls bereit als Rentnerin oder Rentner in Kauf zu nehmen? Die Verantwortung der Politik ist es, eine Altersvorsorge bereitzustellen, die ein Älterwerden in Würde ermöglicht. Darüber hinaus wünsche ich mir eine breite öffentliche Debatte über finanzielle Autonomie im Rentenalter. Und es braucht eine Sensibilisierung der Arbeitnehmenden durch regelmässige persönliche Gespräche – sei es mit den Personalverantwortlichen oder direkt durch die Zuständigen der Pensionskassen. 

Und was tue ich nun, wenn ich einmal pensioniert bin? Ich habe drei Antworten: Ich will Zeit für mich, ich will Zeit für meine Familie und ich will Zeit für die Gemeinschaft haben. Die Zeit für mich werde ich brauchen, um all die Bücher zu lesen und all die Ausstellungen zu besuchen, die schon lange auf meiner Liste stehen, für die ich aber immer zu beschäftigt war. Die Zeit für die Familie werde ich brauchen, um meine Grosskinder beim Aufwachsen zu begleiten und ihren Eltern mit dem einen oder anderen Betreuungsdienst die Vereinbarkeit von Familie und Karriere zu erleichtern. Die Zeit für die Gemeinschaft werde ich einsetzen, um einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachzugehen. Zum Beispiel könnte ich Französisch für Fremdsprachige unterrichten oder mich im Vorstand eines Vereins engagieren. Nicht zuletzt freue ich mich darauf, mich vom Leben einfach mal überraschen zu lassen. Ich bin gespannt! 

Pensionskasse des Bundes
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