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Nr. 1 – 2021 Wenn ich einmal pensioniert bin ...

Nr. 1 – 2021 Wenn ich einmal pensioniert bin ...

Bild von Prof. Dr. Mario Schirmer

Prof. Dr. Mario Schirmer

Abteilung Wasserressourcen & Trinkwasser, Eawag

Ich bin ein Glückspilz – geboren 1964 in Dresden träumte ich als Kind einer Bäckersfamilie davon Astronom zu werden. Ich machte mir keine grossen Hoffnungen, denn damals in der DDR gab es nur einen einzigen Studienplatz in Astrophysik. Mein Lehrer in der Schule sagte mir, ich solle stattdessen doch Geophysik studieren. Dieser Studiengang sei der Astrophysik ähnlich. In der damaligen DDR gab es jedoch eine Sache, mit der wir jungen Männer erpresst wurden, um unseren Traumstudienplatz zu erhalten: Wir sollten zuerst während drei Jahren der Armee dienen. Diese drei Jahre haben mich sehr geprägt und waren schwer mit meinen inneren Werten zu vereinbaren. Nachdem ich meinen Studienplatz in Geophysik angetreten habe, wurde schnell klar, dass dies wenig mit Astrophysik zu tun hatte und ich entschied mich stattdessen im Studium auf Methoden zur Erkundung von Wasser zu konzentrieren. Ja klar, Wasser, so dachte ich mir, braucht es überall und immer.

Bereits während des Studiums bemühte ich mich um eine Doktorandenstelle in Richtung Wasserwirtschaft. Diese wurde mir auch zugesagt. Aber da kam ein zweiter Stolperstein in der sozialistischen DDR hinzu. Ich sollte mich der Partei SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) anschliessen. Nur durch Glück und einer versprochenen späteren Anstellung bei den Wasserwerken in Dresden, konnte ich mich hier aus der Schlinge ziehen. Als ich mein Promotionsstudium beginnen sollte, existierte die DDR allerdings nicht mehr und ich wurde von Dresden für ein Projekt an die Universität nach Stuttgart geschickt. 

Bereits im Gymnasium hatte ich meine jetzige Frau Kristin kennen und lieben gelernt. Seither gehen wir unseren gemeinsamen Weg: Studium, Kinder und Karrieren – all dies haben wir gemeinsam gemeistert mit gegenseitiger Unterstützung und viel Durchhaltewillen. Zusammen sind wir von Dresden zuerst nach Stuttgart gezogen und haben dann während sechs Jahren in Kanada gewohnt, um beide an der Universität in Waterloo zu promivieren. Wir erfuhren in all unseren Stationen grossartige Unterstützung durch Freunde, Familien und Mentoren. 

Und genau all diese Unterstützung, die ich in meiner Vergangenheit erfahren habe, all das Glück, welches mir immer wieder den Weg bereitet hat, möchte ich nach meiner Pensionierung in acht Jahren zurückgeben. Einerseits möchte ich alle meine Doktoranden, welche ich während meiner Karriere begleiten durfte zu einem grossen Fest einladen. Ihr Werdegang interessiert mich sehr und so bin ich auch noch mit allen im Kontakt. Anderseits möchte ich mich als Coach und Mentor der Wissenschaft weiterhin zur Verfügung stellen. Dieses Engagement möchte ich auch weiterhin als Angehöriger des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) für die DEZA leisten. Eine Reduzierung meines Pensums von 100 % auf 0 % kann ich mir aktuell nur schwer vorstellen. Bereits diesen Frühling kann ich in der Demokratischen Republik Kongo einen ersten Einsatz für das SKH leisten. Es geht darum, dass ich als Hydrogeologe in einem Projektteam helfe, Grundwasserressourcen zu erkunden, die für die sichere Wasserversorgung für rund 330 000 Menschen ausreichen. Ich bin schon sehr gespannt, was bei diesen Feldeinsätzen auf mich zukommt und freue mich sehr auf diese Herausforderung. Ich bin überzeugt, dass das Glück wieder auf meiner Seite stehen wird.  

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