Publica Logo

Fokus Doris Bianchi über die Zukunft von PUBLICA

Fokus Doris Bianchi über die Zukunft von PUBLICA

Bild von Doris Bianchi

Doris Bianchi

Sie sind nun seit über sechs Monaten die Direktorin von PUBLICA. 
Wie haben Sie dieses halbe Jahr erlebt?

Abwechslungsreich und intensiv. Gleichzeitig sehr bereichernd, denn die Zusammenarbeit bei PUBLICA läuft bestens und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr engagiert. Zudem bewege ich mich in einem spannenden Umfeld, mit komplexen Fragestellungen und verschiedenen Interessensgruppen.

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spass?

Das Themengebiet Vorsorge. Es ist ein Thema, wo der Mensch im Mittelpunkt steht, es geht um Einkommen und soziale Absicherung. Gleichzeitig ermöglicht die berufliche Vorsorge den Arbeitgebenden, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen und sich so als attraktive Arbeit­geberschaft zu positionieren. Diese Sozialpartnerschaft bietet viele Vorteile.
Aktuell ist das Pensionskassenumfeld jedoch mit vielen Unsicherheiten konfrontiert. Dies macht die Arbeit spannend und abwechslungsreich. 

Welche Unsicherheiten sprechen Sie an?

Es sind die Unsicherheiten auf den Finanzmärkten, wie das aktuelle Tiefzinsniveau. Ich erlebe PUBLICA als sehr gut aufgestellt im Umgang mit finanziellen Risiken. Innerhalb unserer Pensionskasse sind die Prozesse und Mechanismen gut aufeinander abgestimmt. Diese Voraussetzung erlaubt uns, mit diesen Unsicher­heiten souverän umzugehen. 

Mit welchen Herausforderungen rechnen Sie in den nächsten 2 bis 6 Jahren in Bezug auf die berufliche Vorsorge in der Schweiz?

Ich sehe vor allem drei grosse Herausforderungen: Die erste ist die Wahrung der Stabilität in der beruflichen Vorsorge angesichts des Tiefzinsumfeldes. Aus diesem Grund wird die Anlagetätigkeit anspruchsvoller. Hier wird auch der Dialog mit unseren versicherten Personen und Arbeitgebenden wichtiger. Denn sie fragen sich, ob das aktuelle Leistungsniveau auch in Zukunft garantiert werden kann.

Eine weitere Herausforderung, ist die Moder­nisierung der beruflichen Vorsorge hinsichtlich neuer Lebens- und Arbeitsrealitäten. Die berufliche Vorsorge ist auf ein Arbeitsleben im Vollpensum, mit Lohnerhöhungen und entsprechendem Aufbau des Altersguthabens ausgerichtet. Doch die heutige Realität auf dem Arbeitsmarkt sieht oftmals anders aus, vor allem für Frauen. Hier sind Arbeitsunterbrüche und Teilzeitarbeit häufig der Fall. Die berufliche Vorsorge muss mit diesen Veränderungen in der Arbeitswelt Schritt halten. 

Die dritte Herausforderung ist der Einzug der Digitalisierung in die berufliche Vorsorge. Was andere Finanzdienstleister bereits vollzogen haben, zum Beispiel der direkte Onlinezugang zum eigenen Konto, entsteht bei PUBLICA gerade. Diesen Digitalisierungsprozess möchte ich gerne vorwärtstreiben. Eine digitale Plattform hat einerseits für unsere versicherten Personen mehrere Vorteile: einen einfacheren Zugang zu den Vorsorgedaten und die damit verbundenen persönlichen Simulationen zum Altersguthaben. Anderseits hat sie auch positive Auswirkungen auf die Kostenstruktur und die Effizienz innerhalb unseres Betriebes. 

Sie sprechen die Digitalisierung an. Wie innovativ ist PUBLICA?

Mit der Einführung des Versichertenportals im Herbst kommen wir einen grossen Schritt weiter. Die Versicherten werden so ihre persönlichen Vorsorgedaten einfacher zur Verfügung haben. Und sie können einfache Berechnungen zu ihrer künftigen Altersrente durchführen. Im Weiteren ist PUBLICA im Bereich Asset Management eine der innovativsten institutionellen Anlegerinnen. Durch unsere Grösse und das grosse Know-how unserer Spezialistinnen und Spezialisten, ist es uns möglich, neue Anlageklassen zu bewerten und zu beurteilen. Falls diese Anlageklassen mit unserem definierten Risikoprofil übereinstimmen, können wir dort entsprechend investieren. 

PUBLICA ist sich ihrer Verantwortung in der Anlagetätigkeit punkto ökologischer, sozialer und ethischer Werte sehr bewusst. Zudem entwickelt PUBLICA das Konzept «Verantwortungsbewusstes investieren» stetig weiter. Um was geht es in diesem Konzept? 

Es beruht auf drei Pfeilern. Der erste Pfeiler ist das konsequente Ausüben der Aktionärsrechte. Die weiteren beiden Pfeiler sind die Beurteilung von Risiken in den Bereichen Umwelt sowie Soziales und Governance-Fragen im Wertschriftenportfolio und bei Immobilien­direktanlagen. Wir beurteilen Investitionen mittels eines systematischen Prozesses nach Chancen und Risiken und treffen aufgrund dieser definierten Kriterien die Investitionsentscheidungen in allen Anlageklassen. Als Abschluss wollen wir immer anhand von Messgrössen und verstärktem Reporting den Impact von unseren Investitionsentscheidungen überprüfen.
Der letzte Bereich ist am anspruchsvollsten, weil wir hier Neuland beschreiten. Es gibt noch keine konsolidierten Bewertungsinstrumente und PUBLICA übt hier eine Vorreiterrolle aus. Mit dem klimabasierten Aktienindex versuchen wir, mit den uns zur Verfügung gestellten Informationen, die grösstmögliche Messbarkeit und Bewertung zu erhalten. 

Zurück zur beruflichen Vorsorge: «Die Ehe ist keine Lebensversicherung für Frauen.» Was geht Ihnen bei dieser Aussage durch den Kopf?

Das ist die Aussage des Bundesgerichts in Zusammenhang mit seinem aktuellen Entscheid zum Scheidungsrecht. Diese Rechtsprechung wird sich auch auf die Vorsorge auswirken, weil sie auf eine stärkere Erwerbsbeteiligung der Frauen abzielt. Das kommt auch der Vorsorge der Frauen zugute.
Für mich ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen ein zentraler Wert. Damit diese aber zum Tragen kommt, braucht es passende Rahmenbedingungen wie gute Betreuungsangebote für Kinder.

Frauen mit Kindern arbeiten mehrheitlich in Teilzeit, wogegen Väter tendenziell Vollzeit arbeiten. Diese Aufteilung fördert nebst dem «Gender Pay Gap» ebenso den «Gender Pension Gap» im Alter. Was für Möglichkeiten sehen Sie persönlich, diese Lücken in Einkommen und Altersvorsorge zukünftig zu vermindern?

Der Unterschied bei den Altersrenten von Frauen und Männern ist enorm. Besonders betroffen davon ist die berufliche Vorsorge. Letztlich sind diese Rentendifferenzen ein Abbild des Erwerbsverlaufs. Hier sieht man deutlich, dass sich Teilzeitarbeit von Frauen im Alter negativ auswirkt. Teilzeitarbeit kann in einer aktiven Lebensphase finanziell stimmig erscheinen. Oftmals wird dann ausgeblendet, dass Teilzeitarbeit im Alter zu einer Teilrente führt. Dafür braucht es eine stärkere Sensibilisierung für das Thema der beruflichen Vorsorge.
Denn die Weichen für eine gute Altersvorsorge werden schon in jungen Jahren gestellt. Auch wenn die Pensionierung in weiter Ferne liegt, ist es für die Rente bereits relevant, wie viel Prozente gearbeitet und wie die Familien-
arbeit organisiert wird. 
Diese Sensibilisierung sehe ich auch als Aufgabe von PUBLICA. Es gilt aufzuzeigen, welches Modell welche Auswirkungen auf die spätere Rente haben wird. Welche Möglichkeiten es gibt, Deckungslücken im Altersguthaben auf­­zufangen, beispielsweise mit einem Einkauf und mit höheren Sparbeiträgen. 

Hat PUBLICA hier Möglichkeiten, das Thema Altersvorsorge attraktiver und allenfalls niederschwelliger zu gestalten? 

Grundsätzlich ist das Thema der beruflichen Vorsorge ein etwas sperriges Thema. Es fliegt einem nicht gerade zu. Hier steht auch PUBLICA in der Verantwortung, das Interesse für die berufliche Vorsorge zu wecken. Indem wir verständlich erklären und näher an den jeweiligen Lebenssituationen unserer ver­sicherten Personen sind.

Wie können sich Frauen sonst noch mit dem Thema beschäftigen?

PUBLICA bietet Kurse zu den Themenfeldern «Finanzen und Vorsorge» sowie zur «Vorbereitung auf die Pensionierung» an. Diese Einstiegskurse helfen, sich einen Überblick über das Thema der beruflichen Vorsorge zu verschaffen, um sich dann weiter vertieft damit auseinandersetzen zu können.  

Wenn Sie drei Wünsche offen hätten, was wünschten Sie sich für PUBLICA?

Für PUBLICA wünsche ich mir weiterhin finanzielle Stabilität, dass sie Renten auszahlt, die ihren Versicherten auch künftig ein gutes Leben im Alter ermöglichen, und mit ihrer Anlagetätigkeit dem Klimawandel entgegenwirkt.

Und für Sie persönlich?

Die Covid-19-Pandemie wegpusten zu können, Vorurteile auszulöschen und Reichtum gerecht zu verteilen. 

Bald stehen die Sommerferien an – was darf in Ihrem Koffer nicht fehlen? 

Wanderschuhe. 

Pensionskasse des Bundes
PUBLICA

Eigerstrasse 57
3007 Bern
Schweiz

PUBLICA hat eine gesetzliche Informationspflicht gegenüber den Versicherten und Rentenbeziehenden. Aus diesem Grund werden wir Ihnen auch in Zukunft jede Ausgabe unseres E-Magazins zustellen. Das E-Magazin von PUBLICA erscheint zweimal jährlich.